Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Hauptinhalt

PHILOSOPHIE UND ASTROTEILCHENPHYSIK

Die Astroteilchenphysik schlägt die Verbindung zwischen zwei Bereichen, dem Mikrokosmos sub-atomarer Teilchen und dem Makrokosmos extragalaktischer Strahlungsquellen. In beiden Extremfällen sehen sich die Wissenschaftler vor eine Reihe von Schwierigkeiten gestellt. Doch eben diese Besonderheiten machen die Astroteilchenphysik zu einem sehr interessanten Gegenstand der Wissenschaftsphilosophie, speziell hinsichtlich der erkenntnistheoretischen Frage, ob der Mensch überhaupt in der Lage ist objektives Wissen zu erlangen.

Elementarteilchen lassen sich nicht einfach sensorisch oder durch den Einsatz simpler Messapparate nachweisen. Komplexe Versuchsaufbauten, die sich oft auf nicht weniger umfassende Rechenmodelle stützen, waren und sind nötig bei der Erforschung der kleinsten Teile der Materie. Das bietet Wissenschaftstheoretikern die Möglichkeit zu untersuchen, welche Theorie- und Modellbildungsprozesse in die experimentelle Praxis einfließen. Ähnliches gilt für die Untersuchung der großen Objekte im Weltraum. Während viele von diesen zwar mit dem Auge oder einem Teleskop zu sehen sind, haben sie doch Eigenschaften, die sich der direkten Beobachtung entziehen. So ergibt sich von manchen Objekten erst ein schlüssiges Bild, wenn man die von ihnen ausgesandten Radiowellen oder Röntgenstrahlen misst. Hinzu kommt die Tatsache, dass jede Art von Strahlung nur zeitversetzt auf der Erde wahrgenommen werden kann. Das Licht unserer Sonne ist bereits 8 Minuten alt, wenn es uns erreicht; das Licht des Andromedanebel, der in sternenklaren Nächten mit einem gewöhnlichen Fernrohr noch zu erkennen ist, ist dann ca. 2 Mio. Jahre unterwegs gewesen. Das Abbild eines beobachteten Gegenstandes ist also nicht deckungsgleich mit dem Gegenstand selbst zu diesem Zeitpunkt. Dies gibt die Gelegenheit, Behauptungen, wie jene, dass einzig die Naturwissenschaften dazu geeignet seien eine wahre Beschreibung der Wirklichkeit zu liefern, kritisch zu hinterfragen.

Doch auch die Astroteilchenphysik kann von einer Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsphilosophie profitieren. Ermöglicht doch die Verknüpfung von historischen und philosophischen Betrachtungen eine Einordnung der verhältnismäßig jungen Disziplin Astroteilchenphysik in den Fächerkanon und eine genauere Positionsbestimmung gegenüber benachbarter Bereiche der Physik, wie der Teilchenphysik und der Kosmologie.

 

In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Dr. Dr. Brigitte Fakenburg vom Institut für Philosophie bearbeiten wir das von der Fritz-Tyssen-Stiftung geförderte Forschungsprojekt "Modellbildung und Vereinheitlichung in der Astroteilchenphysik".

 

Weitere Informationen zur Geschichte der Astroteilchenphysik:

 

History of Astroparticle Physics and its Components

Vanessa Cirkel-Bartelt,

Living Rev. Relativity 11, (2008), 2. URL (cited on 28.05.2008)